Ohne Strom läuft in einem Rechenzentrum nichts – von den Servern bis hin zur Gebäudetechnik. Aus Umweltsicht ist unter anderem wichtig, woher der Strom kommt und wo er eingespart werden kann. Wir beziehen den Strom für unsere deutschen und finnischen Rechenzentren zu 100 % aus erneuerbaren Energien. Bleibt die Frage nach dem Einsparpotenzial. Eine Antwort darauf liefert der PUE-Wert eines Rechenzentrums.
Wie sich dieser Wert zusammensetzt und welche Bedeutung er genau hat, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.
Was bedeutet PUE – und was wird dadurch gemessen?
PUE steht für „Power Usage Effectiveness“ und beschreibt, wie effizient ein Rechenzentrum Energie nutzt. Der Wert zeigt, wie viel Energie insgesamt nötig ist, damit eine Kilowattstunde bei den IT-Systemen ankommt. Die Formel dahinter ist erfreulich simpel:
Der perfekte Wert wäre 1,0. Dann ginge jede Kilowattstunde direkt in die IT – ohne Zusatzverbrauch für den Betrieb. In der Praxis ist das aber unmöglich. Klimaanlagen, USV-Anlagen, Transformatoren, Stromverteilung und Beleuchtung brauchen ebenfalls Energie, und im Betrieb entstehen zwangsläufig Verluste.
Diesen Anteil, der nicht in der IT landet, nennt man „Overhead“. Je kleiner der Overhead, desto näher kommt das Rechenzentrum an die perfekte 1,0 – und desto besser der PUE.
Was heißt das konkret bei uns? Unser Datacenter-Park in Nürnberg verbrauchte 2025 rund 55 GWh Strom. Bei einem PUE von 1,14 bedeutet das: Für jede Kilowattstunde, die in die IT fließt, braucht die restliche Infrastruktur nur 0,14 Kilowattstunden. Anders gesagt – rund 88 % des Stroms gehen direkt in die Server.
Zum Vergleich: Der deutsche Branchendurchschnitt lag 2025 bei 1,46. Bei gleicher IT-Last verbraucht ein solches Rechenzentrum rund 28 % mehr Strom als eines mit einem PUE von 1,14. Über ein ganzes Jahr summiert sich dieser Unterschied zu sehr großen Mengen.
Ein wichtiger Hinweis: Der PUE sagt nichts darüber aus, wie sparsam die IT selbst arbeitet – und gerade die verbraucht den Löwenanteil. Wie wir auch unsere Server möglichst effizient betreiben, liest du in unserem Artikel zur Nachhaltigkeit [Link zum Blogartikel „Nachhaltigkeit“].
Side Fact: Schon 2011 maß der TÜV SÜD für unseren Park in Falkenstein einen PUE von 1,1242 – nach eigenen Angaben der niedrigste Wert, den der TÜV bis dahin je ermittelt hatte. Der Branchenschnitt lag damals noch bei etwa 1,8. (Quelle: TÜV SÜD)

Wie wird der PUE gemessen?
Damit der PUE-Wert wirklich vergleichbar ist, müssen wir den Stromverbrauch sauber erfassen. Das darf nicht nur als Momentaufnahme geschehen. Eine einzelne kühle Woche würde das Bild verzerren. Deshalb messen wir über einen längeren Zeitraum, idealerweise ein ganzes Jahr, sodass alle vier Jahreszeiten mit ihren unterschiedlichen Temperaturen einfließen.
Wir messen die Verbräuche dafür streng getrennt:
- IT-Verbrauch: Server, Storage, Netzwerk
- Gebäude-/Infrastrukturverbrauch: z. B. Kühlung, Stromverteilung, Beleuchtung, Sicherheit
Wir messen nach einer speziellen Norm, der DIN EN 50600-4-2. Sie legt fest, wie gemessen und gerechnet wird, damit die Werte verschiedener Anbieter objektiv vergleichbar sind. Hiermit erfüllen wir ebenfalls die Vorgaben des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG).
Wie hält Hetzner den PUE so niedrig?
Vorab: Wir erreichen diesen niedrigen Wert nicht durch eine einzelne, besonders effektive Entscheidung. Es ist das Ergebnis einer Kombination aus vielen technischen Maßnahmen und einer extrem effizienten Infrastruktur – vom Gebäude bis hin zu allen unterstützenden Systemen.
Der Hebel für einen niedrigen PUE-Wert besteht darin, den Energieverbrauch der Nicht-IT-Infrastruktur so effizient wie möglich zu gestalten und unnötige Verluste zu vermeiden.
Diese Bereiche lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:
- Kühlung
- USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) und Stromverteilung
- Sonstige Gebäudefunktionen, z. B. Beleuchtung, Sicherheitstechnik, Zutrittssysteme, Monitoring, Verwaltung
Wächst der IT-Verbrauch, während der Rest gleich bleibt, sinkt der PUE. Je kleiner die Lücke zwischen IT-Verbrauch und Gesamtverbrauch ist, desto besser.
Kühlung mit Außenluft: Der größte Hebel
Beim Kühlkonzept punkten wir besonders stark. Statt energiehungriger Kühltechnik setzen wir auf das sparsamste Kühlmittel überhaupt: die Außenluft.
Das funktioniert so: Über Luftschächte an der Fassade zieht das Rechenzentrum kühle Außenluft an, leitet sie durch Kaltgänge und Doppelböden gezielt zu den Servern und trennt warme und kalte Luft konsequent voneinander. Die aufgeheizte Luft verlässt das Gebäude wieder. Außer ein paar Ventilatoren braucht es dafür kaum Strom.
Ein Teil der warmen Abluft wird nicht einfach ins Freie befördert, sondern zum Heizen der Büroflächen genutzt. Das spart zusätzliche Energie.
Wasserbasierte Kühlung wie Rückkühlwerke oder Verdunstungskühler kommt bei uns gar nicht erst zum Einsatz. Das spart nicht nur Wasser, sondern gleich mehrere stromhungrige Komponenten, die in anderen Rechenzentren einen großen Teil des Overheads ausmachen.
An besonders warmen Tagen können sich ergänzend Klimaanlagen zuschalten. Diese laufen je nach Standort, Jahr und klimatischen Bedingungen jedoch nur an wenigen Tagen im Jahr. Ihr Anteil am Strombedarf liegt dadurch in der Regel bei circa 3 bis 7 Prozent, maximal bei rund 10 Prozent. Das ist einer der Hauptgründe für unseren äußerst niedrigen PUE.

USV mit 99 % Wirkungsgrad: Minimale Verluste bei der Stromverteilung
Bei der Stromversorgung setzen wir auf sehr kurze Leitungswege und moderne USV-Systeme mit hohem Wirkungsgrad von bis zu 99 %. Das ist auch im Branchenvergleich Spitzenklasse. Die elektrischen Verluste werden also so gering wie möglich gehalten.
Je weniger Transformatoren und Wandlungsstufen, desto weniger Energie geht unterwegs verloren. Durch die kompakte, modulare Bauweise der Rechenzentren und die hohe RackDichte wird weniger Infrastruktur pro Kilowatt ITLeistung benötigt. Und das steigert die Effizienz zusätzlich.
Auch der Verzicht auf wasserbasierte Kühlsysteme wirkt sich indirekt positiv auf die USV aus, da weniger Geräte im Overhead betrieben werden müssen.
Effiziente Gebäudestruktur: Weniger Infrastruktur, besserer PUE
In dieser Kategorie zeigt sich die intelligente Planung hinter den Rechenzentren. Die Gebäude sind konsequent auf höchste Effizienz ausgerichtet – und das beginnt schon bei der Architektur. Sie beschränken sich auf das, was technisch notwendig ist, und verzichten auf energieintensive Zusatzsysteme. Auch die Struktur des Gebäudes ist so gestaltet, dass Energieverluste minimiert und Betriebsabläufe vereinfacht werden.
Dadurch sparen wir uns die Beleuchtung großer, ungenutzter Bereiche, komplexe Lüftungs- oder Klimasysteme für Nebenräume und unnötige technische Infrastruktur. Die Beleuchtung ist nur dort aktiv, wo wir sie benötigen. Auch die Gebäudetechnik für Sicherheit, Zutritt oder Überwachung ist kompakt und effizient aufgebaut.
Alle technischen Anlagen werden so installiert, dass Wartung, Reparatur und ein späterer Austausch problemlos möglich sind.
92 % Auslastung: Warum hohe IT-Last den PUE verbessert
Ein letzter, oft unterschätzter Faktor ist die Auslastung. Über alle Standorte in Deutschland und Finnland liegt sie bei uns im Schnitt bei rund 92 % – ein außergewöhnlich hoher Wert. Das wirkt sich direkt positiv auf den PUE aus. Warum? Die Formel lautet:
Wenn der ITVerbrauch niedriger wäre, müssten die übrigen Infrastrukturkomponenten, wie die Beleuchtung oder die Sicherheitstechnik, trotzdem weiterlaufen. Im Verhältnis zur ITLast wäre der Infrastrukturanteil dann deutlich größer, und der PUE würde steigen.
Eine hohe Auslastung sorgt also dafür, dass die vorhandene Infrastruktur optimal genutzt wird und der PUE-Wert sinkt. Eine gut gefüllte Halle arbeitet also effizienter als eine halb leere.
Fazit: Effizienz ist eine Frage der Konsequenz
Wir zeigen, dass man mit durchdachter Architektur, cleverer Kühlung und einer klaren technischen Linie enorme Einsparungen erzielen kann. Der PUE von 1,14 ist das Ergebnis eines Systems, das von Grund auf richtig geplant wurde.
Dabei versuchen wir stets, an einer noch effizienteren Zukunft zu arbeiten. Neue Technologien, optimierte Kühlkonzepte und ein konsequent reduziertes Gebäudelayout werden auch in den kommenden Jahren dafür sorgen, dass die Effizienz weiter steigt.



